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Shownotes
Der Februar lädt dazu ein, den Blick zu schärfen auf Geschichten, Stimmen und die Frage, wie Kultur heute vermittelt wird. Zwischen Literatur, gesellschaftlichen Debatten und persönlichen Perspektiven entfaltet sich eine vielfältige Szene, die zeigt, dass Lesen und Schreiben immer auch Teil unserer Gegenwart sind. Darüber hat Lars Meier mit drei Menschen gesprochen, die das literarische Leben in Hamburg auf ihre Weise prägen: der Moderatorin und Kulturjournalistin Julia Westlake, dem Buchhändler John Cohen und dem Schriftsteller Mirko Bonné.
Sie sprechen über ihre Kindheitslieblingsbücher, darüber, was sich in der Hamburger Kulturszene verändern muss, und darüber, wie sie selbst lesen und schreiben.
Aufgenommen wurde diese Folge im Ernst Deutsch Theater in Hamburg und präsentiert wie immer von HVV Switch, der besten App fürs Mobilbleiben in Hamburg.
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00:00:00: Hier sitzt
00:00:00: die Kultur der Stadt
00:00:02: zusammen.
00:00:03: Der Kaltscher Club.
00:00:05: Fragen an die Kultur
00:00:06: und
00:00:07: Antworten der
00:00:08: Macher.
00:00:09: Nur im Ahoi Kaltscher Club.
00:00:11: Zwischen den Seiten.
00:00:12: Herzlich willkommen zur vierzigsten Ausgabe des Kaltscher Clubs.
00:00:16: Der Februar lädt dazu ein, den Blick zu schärfen, auf Bücher, Debatten und darauf, wie Kultur heute erzählt und vermittelt wird.
00:00:23: Darüber sprechen wir in dieser Folge mit drei Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf Literatur blicken.
00:00:29: Der Moderatorin und Kulturjournalistin Julia Westlake.
00:00:32: dem Buchhändler John Cohen und dem Schriftsteller Mirko Boné.
00:00:36: Aufgenommen wurde diese Folge mehr ins Deutsche Theater in Hamburg und präsentiert wie immer von HVV Switch, der besten App fürs Mobilbleiben in Hamburg.
00:00:47: Julia Westleck, du wurdest, neunzigzehnt, in Bad Seegeberg geboren und hast Germanistik und Politikwissenschaften studiert.
00:00:53: Seit den frühen neunziger Jahren arbeitest du für Radio und Fernsehen, vor allem beim NDR.
00:00:58: Besonders prägst du die Kultur- und Literaturlandschaft im Fernsehen.
00:01:02: Seit zwei tausend sieben moderierst du wöchentlich das Kulturjournal bis zur Einstellung auch das Bücherjournal, die älteste Literatur-Sendung im deutschen Fernsehen.
00:01:10: Seit Jahrzehnte bis zu dem Moderatoren beim Hörfungssender NDR Kultur.
00:01:16: Was war denn so das erste Buch, was dich so richtig geprägt hat in deiner Kindheit?
00:01:23: Pipi Langstrumpf, glaube ich, weil meine Oma hat hier an der Staatsbibliothek in Hamburg gearbeitet.
00:01:29: Und damals habe ich noch diese, das war noch nicht die, die wir jetzt kennen, so eine anders gemalte Pipi Langstrumpf.
00:01:34: Und die durfte ich mir da immer nehmen, wenn ich mitgekommen bin.
00:01:38: Und ich habe es geliebt.
00:01:38: Und es ist auch so geblieben.
00:01:40: Große Astrid Lindgren, Followerin.
00:01:43: Unbedingt.
00:01:44: Mirko Boné.
00:01:45: Du wurdest nix in Tegernsee geboren und lebst seit nix in Hamburg, mit einem zweiten Zuhause in der Provence.
00:01:53: Seit den frühen Neunzigern schreibst du Gedichte, Romane und Essays und bist als Übersetzer tätig.
00:01:57: Deine Bücher wurden in zahlreicher Sprachen übersetzt, auch als Hörbohr- und Hörspiel umgesetzt und vielfach ausgezeichnet.
00:02:03: Zuletzt erhielt zu den Hubert Fichtepreis und den Hannelore Greve Literaturpreis.
00:02:11: Wer hat dich denn geprägt, welche Romanfigur?
00:02:15: In der Kindheit.
00:02:17: In der Kindheit?
00:02:18: Mhm.
00:02:18: Was war so das erste Buch, was dir noch so in Erinnerung ist?
00:02:23: Gulliver?
00:02:24: Ah, würde ich sagen.
00:02:26: Ja.
00:02:27: Gullivers Reisen?
00:02:29: Das ist vielleicht sogar ein kleiner Hinweis, dass du dich für einen Ort auch nicht entscheiden kannst und auch durch die Gegend Reis von den Wohnorten her schon.
00:02:38: Ja, ich fand immer dieses... Leben unter den kleinen Menschen und unter den großen Menschen, unter den Riesen und unter den sogenannten Zwergen.
00:02:46: Faszinierend, den Gegensatz.
00:02:49: Ich hab mich immer gefragt, wie hängt das zusammen?
00:02:51: Wo ist die Mitte?
00:02:54: Das fragt sich bestimmt auch John Kohn.
00:02:56: Du wurdest in Großbritannien geboren und bist nebenbei bemerkt mehrfacher deutscher Meister im Sechser Rasenradball.
00:03:06: Seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem
00:03:31: Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, seit dem Jahr, Kindheit.
00:03:36: richtig fällt mir da gar nichts ein.
00:03:37: Da habe ich ein bisschen quer Beet gelesen.
00:03:39: Aber ich habe einen fünf Jahre älteren Bruder und der hatte alle Edgar Wallace-Goldmann-Taschenbücher und die habe ich dann eben hinterher gelesen.
00:03:50: Das ist wirklich, glaube ich, was das so aus meiner eher schon frühen Jugend-teenager-Zeit so.
00:03:56: Da habe ich diese Edgar Wallace-Dinger gefreißen.
00:03:59: Die waren dann wahrscheinlich aber nicht der Grund, dass du später Buchhändler geworden bist.
00:04:02: Wann stand in dieser Weg fest?
00:04:06: Also feststand ja so ein Sohn nie, weil ich nicht gedacht hätte, dass ich das so lange in meinem Leben machen würde.
00:04:10: Aber ein AH-Erlebnis war tatsächlich, ich bin in einer Kleinstadt in Hessen groß geworden, da gab es nicht so arg viel.
00:04:16: Aber es gab eine kleine Buchhandlung, die damals von sehr engagierten jungen Leuten gegründet wurde, mit einem Plattenladen und einem Kaffee.
00:04:24: Und da habe ich viel Zeit verbracht.
00:04:25: Es war noch natürlich, bevor es viele andere Informationsmöglichkeiten gab und was ich so wahnsinnig spannend fand und eigentlich auch bis heute dass man in Büchern alles finden kann.
00:04:34: Es gibt ja nicht nur um Literatur, Literatur, sondern es gibt ja auch, zum Beispiel Geschichte, hat mich damals schon sehr interessiert und hab in dieser Buchhandlung Stunden verbracht und als Fünfzehnjähriger über die Weimarer Republik gelesen, solche Sachen.
00:04:48: Also das war, glaube ich, das, was mich fasziniert hat, dass man einen Raum hat, in dem man eigentlich das Wissen der Welt fährt.
00:04:56: Ja,
00:04:56: Mirko, gab es bei dir so ein Schlüsselmoment, wo du gesagt hast, so, jetzt meine nix anderes mehr und schreibe und übersetze?
00:05:07: Ja, im Moment würde ich nicht sagen, vielleicht nenne ich mal zwei Augenblicke, ich habe angefangen zu übersetzen, als ich bestimmte Songtexte von Niels Lovegren und Niel Young nicht verstanden habe.
00:05:23: Und dann habe ich versucht, diese Songtexte auf Deutsch zu übersetzen und nachzubauen, sodass man sie auch auf Deutsch hätte singen können.
00:05:30: Das war sehr wichtig.
00:05:32: Und ich erinnere mich an eine Busfahrt von der Schule.
00:05:34: Da war ich ungefähr siebzehn nach Hause.
00:05:37: Da habe ich bei einer jungen Frau, die neben mir saß, Gedichte gelesen, mitgelesen und dachte mir, meine Güte, was ist das denn?
00:05:44: Es hat mich total elektrisiert und das waren die Gedichte von Georg Trackel.
00:05:49: Julia Westlake, hast du schon sehr früh einen Talent gehabt zu moderieren?
00:05:55: Warst du schon Klassensprecherin und so was alles?
00:05:59: Oder wann bist du auf einmal?
00:06:00: hast du von der Kamera gestanden?
00:06:02: Nee, gar nicht.
00:06:03: Das war auch gar nicht geplant.
00:06:05: Also ich habe nur Zeit über Brücken wollen, weil ich wollte eigentlich Theaterwissenschaften studieren.
00:06:11: Und hab dann, aber weil es in Hamburg nicht ging und ach, es war alles schwierig, ich hatte auch nicht gut genug, mein Abi war nicht gut genug, hab ich mich dem Journalismus zugewandt als Überbruchung.
00:06:21: Dafür hat's gereicht.
00:06:22: Und dann musste ich an Praktikum machen und das war beim NDR und so bin ich da gelandet und nie wieder weggekommen.
00:06:28: Du hast zwischendurch auch die NDR Talkshow moderiert.
00:06:31: Jetzt ist aber die große Liebe irgendwie Kultur.
00:06:33: Ja, schon immer, schon immer.
00:06:36: Da bist du, auf diesem Fahrt bist du vorher schon gewesen.
00:06:39: Ja, definitiv.
00:06:40: Ich habe schon, wie gesagt, Theater.
00:06:42: In der Schule, also, als ich fünfzehn, sechzehn war, habe ich am Theater Lüneburg Statisterie gemacht.
00:06:47: Ich war mir sicher, ich gehe ans Theater.
00:06:49: Völlig klar.
00:06:50: Schauspielerin vielleicht nicht unbedingt, aber Regie, Dramaturgie, dann später Staatstheater Hannover war ich Monate während des Studiums.
00:07:00: Kultur war also schon immer da.
00:07:01: Und Germanistik habe ich ja studiert, also die Literatur sowieso mein liebstes.
00:07:06: Die einen hatten nicht so einen ganz weiten Weg, um nach Hamburg zu kommen.
00:07:10: Die anderen haben ein bisschen Anlauf genommen, sogar aus Großbritannien sozusagen.
00:07:15: Was hat euch denn hier in Hamburg gehalten, John?
00:07:20: Also, das habe ich schon erwähnt.
00:07:21: Ich bin bis zum Abitur in einer Kleinstadt in Hessen gelebt und mir war Damals war es halt Frankfurt, was das Snack der nächste Ort war, der so ein bisschen spannender war.
00:07:31: Und ich wollte eigentlich als achtzehn, neunzehnjähriger gerne in der Großstadt leben und gucken, was da so ist.
00:07:39: Und dann gab es damals für mich eigentlich nur Köln, Berlin oder Hamburg.
00:07:43: Und Berlin war gerade Zeitmauerfall.
00:07:47: Ich bin so einundneunzig nach Hamburg gekommen.
00:07:49: Und das war mir damals too much, glaube ich, vorst der Kleinstadt in Dieses riesige Berlin und Hamburg kannte ich schon ein bisschen und dann bin ich hierher und bin auch geblieben.
00:08:00: Mirko, wie war es bei dir?
00:08:03: Also was mich in Hamburg gehalten hat, ist glaube ich tatsächlich die Literatur oder besser gesagt die Literatur Szene, die ja um die Neunziger herum, besonders Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger sehr viel stärker ausgeprägt war, als sie heute ist.
00:08:22: Zumindest wenn ich das beurteilen kann.
00:08:24: Das Literaturhaus war ein wesentlich offener Ort damals, als es jetzt die letzten fünfzehn Jahre...
00:08:30: Jetzt ist es wieder...
00:08:32: Es wird wahrscheinlich jetzt wieder offener werden, das denke ich auch.
00:08:35: Und mit Antje Flemming wird das hoffentlich passieren.
00:08:39: Und ich habe halt sehr viele Freunde, bis heute.
00:08:43: meine Freunde sind in der Zeit kennengelernt.
00:08:47: Wir haben Literaturgruppen gegründet, wir haben Literaturzeitschriften gegründet.
00:08:55: Abgesehen davon, dass Hamburg natürlich auch wirklich mein Zuhause ist, die Stadt, die mir immer gut getan hat und die einzige, in die ich immer wieder gerne zurück komme, egal bei welchen Temperaturen.
00:09:08: Julia,
00:09:09: deine große Liebe
00:09:10: Kultur und auch Hamburg.
00:09:12: Ja, total.
00:09:13: Das ist die einzige Stadt, in der ich gerne bin.
00:09:16: Ich bin nämlich eigentlich gar nicht so ein Stadtmensch.
00:09:18: Und Hamburg, dadurch, dass aber auch die besagte Großmutter hier gelebt hat, war ich als Kind ganz oft in Hamburg.
00:09:25: Es fühlt sich wie zu Hause an und keine andere Stadt kann das für mich.
00:09:29: Und Berlin ist mir auch zu hart, ehrlich.
00:09:31: Also ich bin da gerne mal, aber das ist nicht mein Pflaster.
00:09:36: Kulturell interessant, Hamburg aber auch.
00:09:40: War denn aus deiner Sicht früher auch vieles besser im Kulturbetrieb?
00:09:44: Mirko hat das ja schon leise angedeutet.
00:09:46: Wir wollen da gleich mal tiefer reingehen.
00:09:47: Nee, das kann ich so gar nicht sagen.
00:09:49: Da würde ich mich gar nicht so weit aus dem Fenster lehnen.
00:09:51: Ich war aber ja auch nie selbst produzierende Kulturschaffende.
00:09:56: dann wäre ich vielleicht jetzt auch besser in der Lage, das zu beurteilen.
00:09:59: Ich fand es immer spannend.
00:10:00: Ich find's auch jetzt spannend, aber ich fand's natürlich in der Zeit damals auch rasend spannend.
00:10:05: Da war man aber auch selber, ich weiß manchmal nicht, ob es nicht an einem selber liegt.
00:10:09: Man war ja selber jung und offen für alles und irgendwie auch wilder unterwegs, viel kompromissloser.
00:10:16: Heute ist man ja vielleicht auch gar nicht mehr so, weiß nicht, belastbar und denkt, dein Leben ist langweiliger geworden, weiß ich nicht.
00:10:23: John, war dein Leben früher wilder?
00:10:27: Also das berufliche Leben.
00:10:29: Das berufliche?
00:10:29: Ja.
00:10:31: Nee.
00:10:33: Ich weiß nicht, wie ich das sehe.
00:10:34: Ich sehe nicht so einen großen Unterschied, ehrlich gesagt.
00:10:38: Ich habe natürlich auch jetzt langsam auf die Sechzig zu und dann hat man natürlich schon eine Menge gemacht und noch eine Menge verschiedener Dinge gemacht.
00:10:47: Aber ich sehe das eigentlich nicht so, dass früher alles besser oder wilder war oder so was, aber natürlich ist mein Altersbeding Wie Julia das eben auch schon sagte, dass man mit Anfangs zwanzig vielleicht andere Dinge und hat auch ein bisschen mehr Energie für manche Dinge als Mitte fünfzig.
00:11:02: Ja, man ist einfach satter irgendwie auch so und auf eine Doveart-Satter.
00:11:07: Also ich finde, man kann auch mal bei sich selbst anfangen, nicht immer nur die Umstände beschimpfen.
00:11:12: Achtung, Achtung!
00:11:13: Werbung!
00:11:16: Einfach immer am Start die HVV Switch App für euch, damit ihr jedes eurer Ziele in Hamburg und Umgebung erreichen könnt.
00:11:23: Einfach schnell und direkt.
00:11:26: ermöglicht die HVV-Switch-App euch den unkomplizierten Kauf von HVV-Tickets.
00:11:32: Zusätzlich dazu könnt ihr mit der App ein Six-Chair, ShareNow oder Miles-Automieten, ein Tier- oder Voi-E-Scooter oder ein Moja-Shuttle-Buchen unbequem von A nach B zu gelangen.
00:11:45: Weitere Infos unter www.hvv-switch.de.
00:11:51: Achtung, Achtung, das war ein Konsum-Hinweis.
00:11:57: Mirko, wie waren denn die Umstände damals?
00:11:59: Was war denn da besser?
00:12:01: Ich will das gar nicht so voneinander abgrenzen.
00:12:04: Es gibt heute genauso gut Dinge, die besser sind als die damals waren.
00:12:09: Aber ich kann mich erinnern, dass Thomas Kling im Literaturhaussaal saß und zwanzig Leute um sich geschad hat und man ihm zuhörte.
00:12:19: Ich kann mich an Robert Creedies Lesung im Literaturhaus erinnern.
00:12:24: Es gab damals eine ganz andere Präsenz der avant-garde, der sogenannten literarischen avant-garde, die einfach verschwunden ist.
00:12:33: Überall verschwunden oder nur hier?
00:12:34: Die ist ja nicht
00:12:35: nur in Hamburg verschwunden, oder?
00:12:40: Na, ich glaube schon, dass sie in Berlin noch eine ziemliche Bedeutung hat.
00:12:44: Oder auch in Köln.
00:12:47: Aber in Hamburg war damals ein literarisches Widerstandsnest und das wurde auch angefüttert durch Besuche.
00:12:57: Und da kamen dann auch zu Creely Lesung, da kamen hundertfünfzig Leute, zu Thomas Kling kamen zweihundert Leute.
00:13:03: Das ist heute vollkommen unvorstellbar, nicht nur weil Thomas Kling nicht mehr lebt, aber es gab einfach viel größeres Publikum seinerzeit.
00:13:15: Und die Unterhaltsamkeit spielte
00:13:19: eine
00:13:19: marginale Rolle.
00:13:22: Das ist, glaube ich, der eigentliche Unterschied.
00:13:24: Und
00:13:24: liegt es dann mehr am Publikum als an der Stadt?
00:13:27: Also an der gesamten, weiß ich nicht, Kulturgenussgewohnheit inzwischen?
00:13:32: Da fehlt mir der Einblick.
00:13:34: Es mag stimmen, dass wir natürlich alle irgendwie älter geworden sind und dass ich natürlich auch die ganze Architektur des Literaturbetriebs und auch Kulturbetriebs verändert hat und vielleicht auch verändern musste.
00:13:49: Aber ich glaube, es gab eine größere Vielfalt.
00:13:53: Es ging nicht nur um die Verkäuflichkeit.
00:13:57: John, du hast zumindest Einblick in die Bücherverkäufe.
00:14:00: Ist es heute schwieriger Bücher zu verkaufen, werden weniger Bücher verkauft als vor zwanzig Jahren?
00:14:06: Insgesamt nein.
00:14:07: Also insgesamt werden genauso viele Bücher verkauft.
00:14:10: Das ist für mich natürlich ein großes Thema, weil ich solange ich Buchhandeln mache, das Ende des Buches prophezeit wird und ich immer wieder nur sagen kann, das ist nicht so.
00:14:21: Es ist ein unheimlich starkes Medium.
00:14:23: Und es gibt einfach viele Menschen, die sehr gerne und viel lesen, was sich, glaube ich, statistisch ein bisschen verändert hat.
00:14:29: Es sind weniger Leserinnen, die wenig, die aber lesen, lesen mehr.
00:14:36: Das ist so ein bisschen ein Trend.
00:14:40: Aber insgesamt sehe ich das nicht, überhaupt nicht negativ.
00:14:43: Und ich glaube auch, dass das Buch immer sein Platz haben wird auch das gedruckte Buch und es gibt ja auch dann also ewige Diskussionen auch Thema e-book und gedrucktes Buch und analog und digital und so weiter.
00:14:57: Das analoge Buch ist einfach ein sehr sehr ausgefreiftes Medium, mit dem man unterhalten kann, mit dem man avantgarde machen kann, mit dem man alle Möglichkeiten hat und dieses analoge hat einfach auch viele Vorteile.
00:15:11: Darf ich dazwischen fragen, würdest du sagen, dass weniger Gedichtbände verkauft werden als vor dreißig Jahren oder vor zwanzig Jahren?
00:15:21: Also ich muss mir insofern outen, dass ich selber kein Lürsik-Mensch bin.
00:15:25: Ich habe mein Leben lang den Zugang zu Lürsik nie so richtig bekommen, immer wieder versucht, aber einfach nicht richtig geschafft.
00:15:32: Wenn ich jetzt nur von unserer Buchhandlung ausgehe, finde ich eher in letzter Zeit, dass es wieder mehr Leute gibt, die explizit nach Lürsik fragen.
00:15:40: Also wir haben eine kleine, feine Lysikabteilung.
00:15:44: Und es kommen immer wieder Menschen und Fragen genau danach.
00:15:47: Und gibt ja auch da, z.B.
00:15:50: Kay Tempest fällt mir jetzt gerade ein, als auch avant-garde und auch verkäuflich und auch mit großem Publikum, wenn dieser Mensch auftritt, werden auch die Hallen gefüllt.
00:16:01: Und also von daher glaube ich schon, dass es das alles gibt.
00:16:05: Es ist ein bisschen so, du sagst, okay, die Leute ziehen nicht mehr so ein bisschen.
00:16:09: Es ist ein bisschen wie auch in der Musikbranche.
00:16:11: Konzerte von Ed Sheeran oder Taylor Swift sind rasend schnell ausverkauft, egal zu welchen Preisen.
00:16:18: Aber Konzerte in Molotov haben es dann doch schwerer.
00:16:21: Wie ist das so mit dem Buchnachwuchs?
00:16:24: Sitzt man dann da mit sechs Leuten zusammen?
00:16:29: Nee, also sagst du mal so ganz aktuell kann ich es jetzt gerade sagen, wir machen jetzt demnächst mit Nefeli Kaffurs.
00:16:36: Einer debutantin in Hamburg, eine Veranstaltung, die vorher schon mit der Tour aus ihrer Premiere feiert.
00:16:41: Also wir sind quasi Zweitverwerter und ich weiß, dass sie auch schon andere Termine in Hamburg hat.
00:16:47: Und klar, wir haben in der Buchhandlung, wenn wir in der Buchhandlung direkt was veranstalten, dann haben wir immer so around about sechzig Leute da und wir haben stand heute die Hälfte der Tickets schon verkauft.
00:16:58: So,
00:16:59: finde ich jetzt nicht so schlecht.
00:17:01: Ja, ich glaube, es kommt auch immer darauf an, wohin man seine Aufmerksamkeit richtet.
00:17:04: Also Harbourfront ist vielleicht so die Taylor-Swiftigkeit der Literaturveranstaltung.
00:17:11: Natürlich, das ist groß, da werden unglaubliche Preise aufgerufen, da kommt dann Harpe Gerkeling und der Saal ist voll.
00:17:17: Das ist natürlich was ganz anderes als eine kleine, feine Lesung bei John in der Buchhandlung, wo vielleicht auch Leute eingeladen werden.
00:17:25: die nicht das Schauspielhaus füllen würden, aber natürlich unbedingt muss man da hingehen und man muss diese Veranstaltung sehen und würdigen und nicht vergessen.
00:17:35: Vor einigen Monaten gab es eine Gedenklesung für Adam Czagajewski, den großen polnischen Lyrikern.
00:17:41: Da waren zehn Leute im Publikum im Literaturzentrum.
00:17:44: Und das wäre vor zwanzig Jahren, wären das mindestens achtzig
00:17:47: gewesen.
00:17:48: Weil du das Haberfront ansprichst.
00:17:51: Es gab jahrelang auch immer wieder Kritik aus den Clubs, dass das Reperbahn-Festival ganz viel Fundament wegsaugt, weil es halt auch so eine Eventisierung ist.
00:18:00: Viele Bellen spielen in kurzer Zeit auf der Reperbahn und danach haben die Jugendlichen kein Geld mehr.
00:18:05: Ist das mit dem Haber schon auch so oder ist es eher ein Förderer der Literatur in
00:18:10: Hamburg,
00:18:11: John?
00:18:14: Diplomatie ist jetzt angesagt.
00:18:19: Nein, also ich glaube man weiß das auch, also innerhalb der Literatur-Szene in Hamburg, also wir Buchhandlungen sind jetzt nicht unbedingt große Freunde des Harbe-Front-Festivals.
00:18:30: Würde ich tatsächlich ein bisschen vergleichen vielleicht mit dem Rehbarband-Festival an manchen Stellen.
00:18:36: Es ist natürlich so, dass da sehr große Sachen veranstaltet werden, aber auch nicht nur und dass manchmal wir gerne Sachen machen würden und dann ist das eben schon beim Harbe-Front und dann dürfen wir das nicht mehr.
00:18:49: Es ist für uns einfach nur Konkurrenz, muss man ganz klar sagen.
00:18:52: Und ich denke eben, dass wir Buchhandlungen, das ist gar nicht nur von uns aus sprechen, es gibt ja tollerweise und haben auch noch viele andere wirklich sehr gute Buchhandlungen, die auch Literaturveranstaltungen regelmäßig durchführen.
00:19:05: Und naja, wir machen halt das ganze Jahr und wir kümmern uns um das Buch das ganze Jahr.
00:19:11: Wir sind immer da, von Montag bis Samstag.
00:19:16: Ja, und dann kommt eben so ein Raumschiff daher plötzlich, das zum Teil unsere Plätze eingenommen hat, damals vor, also wieder nicht so sehr, als fünfzehn Jahre.
00:19:25: Wir haben teilweise Büchertische gemacht bei Veranstaltungen, die vom Habefront dann übernommen wurden.
00:19:30: Und dann durften wir den Büchertisch nicht mehr machen, weil das Habefront natürlich auch mit einer Buchhandlung zusammenarbeitet, die dann exklusiv ist.
00:19:37: Das alles gefördert mit öffentlichen Geldern.
00:19:40: Ja, also so richtig toll finden wir es nicht.
00:19:44: Julia, was hier im Kalkstadt Club immer mal wieder angesprochen wird, ist, dass Kultur zu wenig Fläche hat in den Medien, dass zu wenig über eben die kleineren Dinge irgendwie berichtet wird.
00:19:57: Du hast es selber erlebt, das Bücherjournal ist, ich sage es jetzt mal, weggespart worden.
00:20:02: Du bist dann ja auch jetzt im Radio.
00:20:04: Da passiert ja noch eine ganze Menge im kulturellen Berichterstattungsbereich.
00:20:09: Was glaubst du denn?
00:20:10: Warum ist dem denn so, dass auch Zeitungen wie das Armplatt oder die Mopo auch online weniger Kulturberichterstattung
00:20:19: machen?
00:20:20: Ja, da stecke ich natürlich überhaupt nicht drin bei der Mopo und bei anderen Zeitungen.
00:20:25: Ich kann für den NDR sprechen ein bisschen und kann sagen, ich finde, also gerade das Radio versucht natürlich sehr viel Kultur abzubilden.
00:20:35: Und zwar in ganz Norddeutschland.
00:20:36: Das ist ja riesig.
00:20:38: Also das ist ja eine riesen Fläche von von Uelzen bis Hamburg.
00:20:42: Das ist eine kleinere Stadt bis zu einer großen Stadt, wo immer was los ist.
00:20:45: Das ist natürlich nicht alles abbildbar und trotzdem versucht man es.
00:20:49: Das mit dem Bücherjournal habe ich sehr, sehr bedauert, weil ich finde, dass das Buch auch ins Fernsehen gehört und dass ein anständiges Buchformat ins Fernsehen gehört, wo auch Zeit ist, wo man wirklich auch ein bisschen vertieft über die Bücher sprechen kann, wo Autorinnen und Autoren eingeladen werden.
00:21:07: Das finde ich richtig traurig.
00:21:09: Und da stecke ich jetzt auch nicht so richtig drin in solchen Entscheidungsstrukturen.
00:21:13: Ich finde es schade.
00:21:14: Also wenn wir über Büchersendungen sprechen, dann fällt mir da Dennis Schäck ein und ehrlich gesagt zucke ich jedes Mal zusammen.
00:21:21: Wenn der Bücher in Schredder schmeißt, also ich habe überhaupt nichts gegen chemische Kulturkritik.
00:21:25: Wenn Leute ihr Werk zur Verfügung stellen, dann soll sie auch kritisiert werden.
00:21:30: Aber ich habe bis heute Schwierigkeiten Bücher eben in den Müll zu schmeißen.
00:21:35: Das mache ich nie, sondern ich gebe sie immer weiter.
00:21:38: Und wie dann in so einer Sendung die Bücher in Schredder geschmissen werden, nur weil sie vielleicht nicht gut findet.
00:21:44: Man muss ja auch wissen, diese Fernsehsachen sind für Verlage unglaublich wichtig.
00:21:48: Weil kommt ein Buch vor, verkauft es sich in irgendeiner Talkshow auch und wird einmal hochgehalten.
00:21:54: Das ist nämlich dann das Problem.
00:21:55: Also das ist dann schon auch ein bisschen schwierig.
00:21:57: Weil ich habe mal gehört, bei Restaurantkritiken ist es so, wenn ein Restaurant nicht so gut begutachtet wird von Kritikern, dann grennen die Leute dahin, um zu checken, ob es wirklich schlecht ist.
00:22:07: So ist es mit Büchern
00:22:08: auch wichtig.
00:22:09: Das wäre ja schön.
00:22:09: Also jedes Buch mehr, das sich verkauft.
00:22:12: Wäre ja super.
00:22:13: Ich mag auch so Streitformate.
00:22:15: Das ist ja auch der eine findet super, der andere findet es nicht gut.
00:22:18: Hauptsache Bücher werden besprochen, kommen vor, haben Fläche.
00:22:22: Mirko, bist du Konsument von solchen Sendungen und Streitformaten?
00:22:26: Nein.
00:22:29: Nein.
00:22:31: Es sei denn ein Freund oder eine Freundin, eine Kollegin oder ein Kollege wird besprochen im Fernsehen, dann sehe ich mir das gerne mal an.
00:22:38: Aber ich höre sehr viel Radio.
00:22:41: Nicht nur im norddeutschen Raum, der ja auch bis Kiel geht und Flensburg.
00:22:46: Absolut.
00:22:46: Ich habe auch nur Ölzen und Hamburg als Vergleichsgrößen genannt.
00:22:50: Kleine Stadt, große Stadt.
00:22:52: Aber ich finde auch, dass Radio Föjeton hat, momentan die Funktion, die Literaturkritik zu retten.
00:23:00: Und das tut sie sehr tapfer.
00:23:03: Das tut das Radio sehr tapfer.
00:23:05: Und das höre ich mir sehr gerne an, wenn Leute Wie Joachim Scholl oder auch Nico Bleutke, Michael Albert auf Deutschlandfunkkultur oder auf dem Deutschlandfunk oder auch im NDR natürlich Bücher besprechen und das inzwischen mit einer Profundität tun, die man im Film kaum noch lesen kann.
00:23:31: Wenn wir jetzt zu die verschiedenen Seiten von Hamburg Festivals, Buchhandlungen, Kulturberichterstattung betrachtet, wie gut ist Hamburg denn zu dir als Autor?
00:23:41: Momentan sehr gut.
00:23:42: Ich habe zwei große Preise bekommen innerhalb von zwei Jahren.
00:23:46: Ich wundere mich, dass ich noch nicht gelüncht worden bin.
00:23:48: Aber ich habe sehr lange Jahre gehadert mit Hamburg als meiner literarischen Heimat, weil hier so gut wie nichts für mich passierte.
00:23:58: Aber so ist es halt.
00:24:00: Es ist dafür anderswo passiert.
00:24:03: Und jetzt in meinen Sechzigern bin ich anscheinend so eine Art Granddaddy oder was
00:24:14: weiß ich.
00:24:15: Ich
00:24:15: hab keine Ahnung.
00:24:16: Es fühlt sich merkwürdig an.
00:24:18: Aber ich halte an meiner Stadt fest und versuche auch dem Literaturbetriebchen in Hamburg etwas zurückzugeben von dem, was mir passiert ist.
00:24:27: Und das geht schon.
00:24:30: John, habt ihr jemals überlegt, zu expandieren oder möglicherweise sogar O-Schreck aus dem Karofviertel wegzuziehen?
00:24:37: Weil irgendwo ... in einer super duper Einkaufspassage eine Fläche freiwerten würde.
00:24:46: Also den Standort aufzugehen, den wir jetzt haben, sind wir nie auf die Idee gekommen, weil wir auch ganz bewusst genau dort damals eine Buchhandlung eröffnet haben und da auch sehr, sehr gerne sind und einfach ein toller Ort ist mit sehr tollen Menschen, die dort wohnen und auch kommen und also auch aus anderen Stadtteilen herkommen.
00:25:06: Auf keinen Fall.
00:25:07: Also weggehen, auf keinen Fall.
00:25:09: Wenn man das über zwanzig Jahre macht, gibt es natürlich immer mal wieder Momente und Gelegenheiten, wo man nachdenkt, wir haben uns am Ende immer dagegen entschieden, es war nie eine Einkaufspassage.
00:25:21: Es gibt durchaus noch andere Orte in Hamburg, wo ich denke, dass man so eine Buchhandlung, wie wir sie machen, machen könnte.
00:25:27: Also um es mal im betriebswirtschaftlichen Modus zu sagen, es gäbe Märkte.
00:25:34: Aber auch aus persönlichen Gründen und weil man sich dann natürlich auch überlegen muss, was das wirklich bedeutet und was es auch für unseren Urladen bedeuten würde, haben wir uns immer dagegen entschieden.
00:25:44: Ich denke manchmal gibt es andere Beispiele in Hamburg, es gibt eine Hamburger Buchhandlungskette, kann es auch sich sagen, Heimann, da war es so, wenn ich das richtig weiß, dass es dann übergeben wurde an die Kinder, an Bruder und Schwester.
00:25:58: Und da waren die vielleicht so Mitte dreißig und die haben dann ja auch expandiert.
00:26:02: Und ich glaube, es ist einfach eine andere Situation.
00:26:04: Das ist dann wieder auch so eine Energiegeschichte.
00:26:07: Mit dreißig kann man Dinge machen, die man vielleicht damit fünfzig nicht unbedingt
00:26:10: noch mal.
00:26:13: Julia, wo konsumierst du denn Literatur am liebsten?
00:26:15: zu Hause auf dem Sofa?
00:26:17: Oder gehst du auch mal raus auf dem Altonaer Balkon oder wie auch immer?
00:26:21: Nee.
00:26:22: Ich lese am allerliebsten zu Hause oder im Zug.
00:26:25: Im Zug finde ich perfekt, weil man gleichzeitig super vorankommt.
00:26:28: Also man macht irgendwie Strecke und hat prima... Sowohl
00:26:33: im Buch als auch im Zug.
00:26:34: Genau.
00:26:34: Und ist prima in einer Welt, wo man die Umgebung nicht mehr wahrnehmen muss.
00:26:38: Ist auch schön.
00:26:39: Aber zu Hause am allerliebsten.
00:26:41: Ja, das finde ich total gut.
00:26:43: Das war auch schon immer so.
00:26:44: Ich habe ja gesagt, ich lesen kann, habe ich Bücher verschlungen.
00:26:47: Ich hatte als Kind schon, wir hatten zwei Bibliotheken, einen so ein Bus und eine so eine Kleinstadtbibliothek und beide Kinderabteilungen hatte ich leer gelesen.
00:26:55: Musste dann anfangen mit so Johannes Mario Simmel und so.
00:27:00: Mit zwölf, keine Ahnung.
00:27:03: Mirko, wo liest du denn am liebsten?
00:27:07: Am liebsten lese ich draußen im Stehen beim Rauchen.
00:27:11: Echt?
00:27:12: Ja, entweder in Hamburg hier.
00:27:15: Aber mein liebster Leseort...
00:27:16: Aber der Regentropft doch dann die ganze Zeit
00:27:18: auf die Büsse.
00:27:19: Nee, das ist ein Überdachterbalkon.
00:27:21: Da regnet es nicht.
00:27:21: Deswegen mache ich es ja auch.
00:27:24: Aber mein liebster Leseort ist in der Provence auf unserer Terrasse unter dem Feigenbaum.
00:27:29: Und wenn ich da in Ruhe gelassen werde von Moskitos und Lesben, dann ist es einfach
00:27:35: perfekt.
00:27:36: Und wo schreibst du am liebsten?
00:27:38: Auch genau da oder unterscheiden sich die Orte?
00:27:41: Ich schreibe eigentlich inzwischen nur noch an meinem Schreibtisch.
00:27:44: Ich habe jahrzehntelang auch in Hotelzimmern oder auch im Zug geschrieben.
00:27:49: Das tue ich inzwischen nicht mehr.
00:27:51: Meistens entweder am frühen Morgen, Vormittag oder am späten Abend bis tief in die Nacht hinein.
00:27:57: Aber dann, wenn es einigermassen ruhiger ist.
00:28:01: John... Ich habe keine Ahnung, wie viele neue Bücher jede Woche erscheinen.
00:28:06: Wie viele Bücher kriegt ihr ungefähr so pro Woche?
00:28:09: Ich weiß ich auch nicht.
00:28:11: Viele.
00:28:12: Also sagen wir mal sehr viele, die kann man ja nicht alle lesen.
00:28:15: Wie viele Bücher liest du denn in der Woche?
00:28:18: Das ist ganz unterschiedlich.
00:28:19: Also es gibt tatsächlich auch Wochen, wo ich überhaupt kein Buch lese, weil ich einfach überhaupt keinen Kopf dafür habe und wir machen ja auch tatsächlich Einzelhandel und das ist immer viel mit tagsüber auch quatschen und vielen also mit anderen Menschen reden und sehr intensiv oft und siebenundachtzig E-Mails beantworten, wie das in anderen Berufen auch ist.
00:28:37: Und manchmal habe ich einfach überhaupt nicht die geistige Kapazität, um wirklich sinnvoll zu lesen.
00:28:43: Dafür gibt es andere Wochen, da lese ich vier Bücher.
00:28:45: Also...
00:28:45: Und liest du auch
00:28:46: quer viel?
00:28:47: Nee, quer mache ich nicht.
00:28:48: Das weiß ich nicht.
00:28:49: Entweder ich fange Bücher anzulesen und wenn ich merke, dass es nicht meins, dann leg ich es weg.
00:28:54: Ich nehme das nächste.
00:28:56: Wenn ich aber das wirklich gut finde, dann lese ich es auch zu Ende.
00:28:59: Also ich finde so dieses vorne, mitten, hinten mal rein gucken wäre es vielleicht ganz schlau, weil man noch ein großes Portfolio an Büchern hat, die man den Kundinnen gegenüber besser erklären könnte.
00:29:13: Aber ich mag das einfach nicht.
00:29:16: Nee, das ist auch, ich empfinde es seit dem Studium so, da musste ja auch viel gelesen werden, Germanistik.
00:29:21: dass man so ein Kampflesemodus hat.
00:29:23: Also ich mag den gar nicht, wenn man so schnell lesen muss, weil man es irgendwie fertig kriegen muss.
00:29:28: Das ist ganz gruselig, finde ich.
00:29:30: Kann ich mich nur anschließen.
00:29:31: Ich lese auch genau wie du, John.
00:29:33: Ich lese entweder ein Buch ganz und dann auch wirklich jeden Satz oder jedes Gedicht oder ich leg's weg.
00:29:41: Mirko, du hast gerade gesagt, du wundest sich, dass du noch nicht gelünscht wurdest, weil du zwei sehr bedeutende Preise in den letzten zwei Jahren bekommen hast.
00:29:48: Wer sollte dich denn lönchen oder anders gefragt?
00:29:51: Wie ist denn so die Autorin-Gemeinschaft in Hamburgs unterwegs?
00:29:55: Gibt's
00:29:55: die noch?
00:29:56: Das weiß ich nicht.
00:29:57: Das wirst du mir erzählen.
00:29:58: Ich glaube,
00:29:58: ehrlich gesagt nicht.
00:30:00: Die gab's mal, aber das ist alles sehr zersplittert.
00:30:03: Es sei denn, man ist wirklich eng befreundet, hält aneinander fest.
00:30:08: überwindet Rivalitäten und Missgunst und sich auch helfen.
00:30:14: Was hat euch denn damals ausgezeichnet im Gegensatz zu
00:30:17: Widerstand und mangelnder Erfolg?
00:30:20: Also im besten Sinne, besten Sinne Erfolg.
00:30:23: Das heißt, dass etwas aus etwas erfolgt.
00:30:26: Und
00:30:27: das hat uns zusammengeschweißt und wir haben einfach Projekte umgesetzt mit aller Kraft.
00:30:36: Viel diskutiert.
00:30:38: Und Dinge auf die Beine gestellt.
00:30:40: Magazin, Literatur, gab es nur in drei Nummern, aber ist legendär.
00:30:47: Wir haben die Werft gegründet, einen Literaturverein Grund, der das Forum Junge Autoren von Sascha Isayi uns, dass es immer noch gibt.
00:30:57: Heute heißt es richtigerweise Forum Junge Autorinnen und Autoren, wo wir uns monatlich getroffen haben.
00:31:06: Wir haben mehrere Literaturfestivals gegründet und Leute eingeladen wie Inga Christensen, die dann in Hamburg gelesen haben.
00:31:15: Ich glaube eigentlich ging es darum, dass wir selber natürlich in diesen Betrieb hineinwachsen wollten und uns mit Leuten auseinandersetzen wollten, auch menschlich, die wir bewundert haben.
00:31:28: Und es ist uns gelungen mit Hilfe von Ursula Keller zum Beispiel oder anderen, die Einfach einen Sinn hatten für junge Literatur in Hamburg.
00:31:37: Hat dann der eigene Erfolg Träge gemacht?
00:31:40: Oder warum gibt es das nicht mehr?
00:31:42: Bei vielen ist ja der Kipppunkt Corona, aber es hört sich ein bisschen so an, als wäre es bei euch schon viel früher passiert.
00:31:49: Ich glaube nicht, dass wir Träge geworden sind.
00:31:52: Nein, ganz im Gegenteil.
00:31:53: Wir haben einfach sehr viel zu tun.
00:31:56: Die meisten sind ja keine freien Schriftsteller, so wie ich, weil ich halt auch von übersetzen leben kann.
00:32:04: Sondern die haben Brotberufe oder auch Berufe, von denen sie überzeugt sind, dass sie wichtig sind.
00:32:10: So wie Fahad Shogi zum Beispiel, der nicht nur Lyriker ist, sondern auch niedergelassener Psychiater und Psychotherapeut.
00:32:17: Und andere haben andere Berufe.
00:32:20: Es ist einfach auch eine Frage der Zeit.
00:32:25: Und wenn man in der Jugend wild war und engagiert und widerständig, dann geht das natürlich auch nicht immer so weiter.
00:32:34: Aber das Literaturhaus zum Beispiel, da ist ja jetzt wed ein neuer Wind.
00:32:38: Warum nicht, Mirko, einfach wieder kommen, einfach die Leute wieder vernetzen und wieder leben, dieses Leben, was du dir wünschst, versuchen wieder entstehen zu lassen.
00:32:48: Ich
00:32:48: weiß gar nicht, ob ich mir das wirklich zurückwünsche.
00:32:50: Aha.
00:32:51: Da bin ich mir nicht so sicher.
00:32:52: Ja.
00:32:53: Aber ich schwelge gerne in den Erinnerungen.
00:32:55: Ja,
00:32:55: wer nicht?
00:32:58: Ich glaube nicht, dass es funktionieren würde.
00:33:00: Zumindest nicht in unserem Alter.
00:33:03: Was ich mir wünschen würde, wäre ein größerer, tieferer Austausch zwischen den literarischen Generationen.
00:33:13: Also es gibt ja zum Beispiel den Übersetzerstammtisch.
00:33:16: Und wenn man dahin geht, dann staunt man über die Bandbreite des Alters.
00:33:24: Da gibt es Leute, die Mitte zwanzig sind, aber auch die Mitte siezig sind.
00:33:27: Und da gibt es interessante Gespräche.
00:33:29: Das glaube ich.
00:33:31: Und das würde ich mir für die Literatur auch wünschen.
00:33:35: Vielleicht hören uns ja Leute zu.
00:33:37: Ich bin mir sicher.
00:33:38: Die
00:33:38: das in die Hand nehmen können.
00:33:40: Der Ruf ist ja immer schnell dann da bei der Politik, irgendwelche Impulse zu setzen, Rahmenbedingungen wie auch immer.
00:33:48: Siehst du da vielleicht auch Möglichkeiten, sich da mehr drum.
00:33:52: Ich glaube, es gibt ja ein regelmäßiges Essen mit dem Kultursenator.
00:33:56: Nein, aber wir haben einen Kultursenator, der sehr engagiert ist und der sich wirklich kümmert.
00:34:01: zumindest was möglich ist für einen Politiker.
00:34:05: Das würde ich schon so sagen.
00:34:07: Das ist schon ein Mensch, der solitär ist für Literatur und Kultur in unserer Stadt.
00:34:14: Aber ich will mal ein viel kleineres Beispiel nennen.
00:34:17: Peter Engel zum Beispiel hat eine literarische Leserei etabliert gehabt vor ungefähr zwanzig Jahren im Café Chavis auf der Reperbahn, dass es nicht mehr gibt.
00:34:28: Und da trafen sich Leute aller Generationen jeden Monat zu einer Lesung und diskutierten über junge Literatur.
00:34:41: Und aus dieser Leserei wurde dann, weil das Chavis eben zugemacht hat, die Leserei in der patriotischen Gesellschaft, die von Sven Meier kuratiert wird und Peter Engel.
00:34:53: Und da merkt man dann den Unterschied, was die Örtlichkeit angeht.
00:34:56: Weil die patriotische Gesellschaft ist ja viel gediegener.
00:34:59: Da kommt ein ganz anderes Publikum hin.
00:35:02: Auch wichtig.
00:35:04: Kommen ältere Leute hin, aber die Jungen bleiben meistens weg.
00:35:07: Aber Debuts und Drinks gibt's doch auch in Eimsbüttel in der Bar, die mir gerade nicht einfällt.
00:35:13: Aber es gibt solche Reihen, wo Jungen ... Matilde?
00:35:16: Die Matilde?
00:35:17: Das Alternar.
00:35:18: Das Alternar.
00:35:19: Ja, komm ich gleich noch drauf.
00:35:20: Auf jeden Fall, es gibt ja so Reihen, wo junge AutorInnen diskutieren mit den Publikum, wo auch dann Barbetrieb läuft und so.
00:35:29: Gibt es schon?
00:35:29: Es gibt, ich weiß es gibt die Hamlet einmal im Jahr übel und gefährlich.
00:35:34: Wir sind schon sehr etabliert seit weit über zehn Jahren, wo auch junge Autorinnen gleichzeitig lesen auf drei Bühnen immer ausverkauft, achthundert Leute glaube ich gehen darf rein.
00:35:48: Würde ich auf alle Fälle nicht unerwähnt lassen
00:35:50: wollen.
00:35:50: Oder Lou Probsteins Literatur-Quickie-Leserei, die jetzt, ich glaube das, dreihundertzechstenzwanzigste Mal stattfindet?
00:35:59: Auch die Örtlichkeit verloren hat, man muss sehen, wie das jetzt sich verändert.
00:36:02: Aber es gibt diese Lesereien natürlich, das ist klar.
00:36:07: Jetzt bin ich ja nur relativ weit draußen vom Literaturbetrieb und sitze irgendwie auf den billigen Plätzen ganz oben.
00:36:14: Ich habe aber den Eindruck, dass die Verlage hier in Hamburg und da gibt es ja durchaus große und sehr gedingende Verlage.
00:36:23: Unfass-Paträge sind, was solche Aktivitäten angeht.
00:36:26: Müssen die nicht eigentlich da mal Impulse setzen, aus sich heraus.
00:36:31: Die haben teilweise auch sehr schöne Verlagsgebäude, wo sie hier hineinladen könnten.
00:36:37: Ich habe ein, zwei Mal solche Versuche unternommen, mit denen ins Gespräch zu kommen.
00:36:40: Man kommt mit denen nicht mal ins Gespräch.
00:36:42: Verlage sind ja nicht Literaturveranstalter.
00:36:45: Ja können
00:36:46: Sie, aber Sie haben ja ein Interesse daran Bücher zu verkaufen.
00:36:48: Eigentlich sollte das ja zum Teil des Marketings gehören, die Leute mit Büchern in Berührung zu bringen.
00:36:56: John.
00:36:59: Ja, hab ich noch, also weiß ich nicht.
00:37:03: Ich find die Hamburger Verlage insgesamt schon mal ganz schön gut.
00:37:07: vorweg zu sagen, ich finde echt, dass es da sehr unterschiedliche gibt, die aus sehr unterschiedlichen Richtungen bedienen, von groß bis klein.
00:37:17: Sollten diese Sachen, nee, finde ich eigentlich nicht.
00:37:20: Ich finde auch, die sollen ihre Bücher machen, die sollen die Menschen die Veranstaltungen organisieren, mit Informationen füttern.
00:37:31: Das ist eher ihre Aufgabe, finde ich.
00:37:34: Ich finde aber nicht, dass sie jetzt irgendwelche, auch in der Stadt, mein Verlag ist ja auch nicht nur, auch wenn ihr in Hamburg sitzt, haben die natürlich mindestens im Bundesweit es eigentlich im deutschsprachigen Warm zu bedienen und das muss auch ihr Blickwinkel sein.
00:37:47: und von daher finde ich nicht, dass sie jetzt dafür, dass man sie dafür zuständig machen sollte, die Hamburger Literatur Szene zu organisieren.
00:37:58: Julia, wie ist es denn mit der Gemeinschaft der Kulturjournalistin?
00:38:02: Gibt es da einen Austausch?
00:38:03: Man trifft sich auf
00:38:05: främierende
00:38:05: Lesungen wie auch immer.
00:38:07: Ach so doch, da trifft man sich und das ist auch immer schön.
00:38:10: Aber jetzt nicht, wir haben jetzt überhaupt nicht einen Stammtisch oder irgendwas.
00:38:13: Also nicht, dass ich wüsste.
00:38:15: Aber es ist schön, man trifft sich und freut sich.
00:38:17: Ja,
00:38:19: kommen wir noch mal auf Hamburg speziell zurück.
00:38:22: Gibt es?
00:38:24: Geschichten, die ihr drei seht, die einfach noch nicht aufgeschrieben wurden.
00:38:30: Ich sag mal, im Filmbereich sucht man ja auch immer wieder.
00:38:32: Es gibt jetzt irgendwann, gibt's mal was... wird es eine Serie geben über die Hafenstraße.
00:38:38: Man hat das Gefühl, jegliche Form von Kriminalität ist im Rahmen der Repa-Bahn und St.
00:38:44: Pauli ist alle schon einmal aufgeschrieben worden.
00:38:47: Aber gibt es da noch etwas?
00:38:48: Ich frage jetzt mal als Letztes den Autoren.
00:38:51: Der will gute Ideen wahrscheinlich am wenigsten preisgeben, John.
00:38:56: Also mir fällt jetzt erstmal was ein, was tatsächlich, da haben wir auch schon mal drüber gesprochen, das kann ich ja gerne sagen, ein Buch aus neunzwarzeinunddreißig, das viele überhaupt nicht kennen.
00:39:07: Und was finde ich so gesehen eine unerzählte Geschichte ist, weil es hier keiner weiß.
00:39:12: Das ist tatsächlich eines der wichtigsten Bücher, die ich letztes Jahr gelesen habe.
00:39:16: Von Heinz Liebmann heißt das Vaterland, ist der erste deutsche Exil-Roman, wie gesagt, im Sommer neunzwarzeinunddreißig erschienen.
00:39:25: Erzähl die Geschichte von einer Schiffscrew, die im Dezember, im April, im April, wiederkommt und die haben nichts mitbekommen.
00:39:37: Man fährt mit ihnen hier die Elbe runter und es kommt das erste Schiff mit Hakenkreuzen entgegen.
00:39:42: Auf der Elbe passiert auch schon die erste dramatische Geschichte.
00:39:46: Danach verlassen die, kommen die alle an im Hamburger Hafen und man ist mit den Protagonisten, mit den Mit dieser Schiffsbesatzung, die sehr unterschiedlich ist, vom Deutsch-Nationalen bis zum Kommunisten, in Hamburg direkt nach der Machtübernahme unterwegs und erlebt alltag.
00:40:02: Und das ist wirklich, ja, wie soll ich sagen, es ist erschütternd, weil es einfach so kurz nach Machtübernahme ist und man einfach merkt, was da eigentlich los war und wie schnell die Stimmung sich geändert hat.
00:40:17: Dieses Buch ist letztes Jahr erschienen, wieder erschienen beim Pendragonverlag.
00:40:21: Und hat leider immer noch nicht die Öffentlichkeit bekommen, die es haben sollte.
00:40:24: Bei uns in der Buchhandlung schon.
00:40:26: Aber ich appelliere einfach an jeden, dieses Buch zu lesen.
00:40:28: Und das ist für mich tatsächlich auch eine unerzählte Geschichte.
00:40:32: Julia?
00:40:34: Ich... finde so was total spannend und ich mag auch diese historischen Orte und Ecken und wie soll ich sagen, also so Punkte an denen man sich orientiert.
00:40:44: Aber ich glaube ja, dass Literatur in jeder Begiege nur überall, in jeder Ecke, in jedem normalen Leben stattfindet auch.
00:40:51: Deswegen will ich gar nicht, ich wüsste jetzt auch gar keine große unerzählte Geschichte.
00:40:56: Ich finde, die kann ja auch in einem Zimmer stattfinden, wo ein Mensch sitzt, der irgendwelche Ja, irgendwelche Literatur produzieren kann.
00:41:05: Es muss keine große Geschichte sein.
00:41:07: Es kann ein Moment sein, es kann ein Tag sein, es kann eine Stunde sein, die erzählt wird.
00:41:11: Sowas finde ich auch sehr spannend.
00:41:13: Und ja, das ist es.
00:41:15: Und natürlich, du hast recht, manches ist auch wirklich, glaube ich, in Hamburg schon ganz gut erzählt worden.
00:41:20: Mirko, hast du dem noch was hinzuzufügen?
00:41:23: Ich würde gerne einen Roman über Wolfgang Bauchert schreiben.
00:41:28: Das verlangt natürlich viel Recherche.
00:41:32: Hat nicht nur was mit Hamburg zu tun, aber sehr viel.
00:41:37: Was kaum einer weiß, Artura Hamburg war zweimal in Hamburg.
00:41:41: Ist nicht recherchiert, nicht aufgeschrieben.
00:41:44: Ist hier zum Zirkus gegangen und nach Norwegen gegangen.
00:41:47: Von hier aus.
00:41:49: Hat von Hamburg aus versucht, nach Jawa zu kommen, also es ging um Segelschiffe.
00:41:55: Die Vorstellung elektrisiert mich regelrecht, dass dieser junge Dichter, der ja mit neunzehn schon aufgehört hat zu schreiben, als Anfang zwanziger hier in Hamburg gewesen ist.
00:42:07: Und ich weiß nicht, ob es ein Buch über Michel Foucault gibt, der in Hamburg ja gelebt hat, lange Jahre und Leiter des Instituts Francais war, oder war er sogar Konsul?
00:42:21: Ich weiß es nicht genau, ich glaube, er war Leiter des Instituts Francais.
00:42:24: Aber ich glaube, darüber gibt es auch nur wenig Material.
00:42:26: Dann können wir ja noch drei tolle, große... Aber die würde ich nicht alle
00:42:31: schreiben und dazu bin ich inzwischen
00:42:33: zu alt.
00:42:35: Guck mir mal in die anderen Winkel der Kultur, John.
00:42:38: Wenn man dich nicht in der Buchhandlung oder dem heimatlichen Sofa einen Buch lesen lässt, wo trifft man dich an?
00:42:44: Was sind so Orte, die dich berühren und bewegen?
00:42:49: Welches Theater, welche Rock-Bühne?
00:42:53: Musikkonzerte?
00:42:54: tatsächlich habe ich irgendwann mal, also nein, nie mehr so viel wie früher.
00:42:59: Ob es eigentlich schade ist, also kein echten Grund dafür außer, da weiß ich nicht.
00:43:03: Theater, ganz gerne.
00:43:05: Also die beiden großen Häuser auf alle Fälle.
00:43:07: Ernst-Deutsch-Theater, wo wir ja heute sind, muss ich jetzt auch unbedingt mal was anschauen.
00:43:15: Aber das finde ich einfach auch immer noch, ist auch ein sehr schöner analoges Kultur und finde ich immer aufregend.
00:43:22: Ja, Julia?
00:43:24: Ich
00:43:24: auch.
00:43:25: So geht es mir auch.
00:43:26: Natürlich die beiden großen Häuser durch tolle Frauen geführt.
00:43:30: Und Kampnagel, liebe ich auch sehr.
00:43:32: Weil das auch durch eine tolle Frau geführt.
00:43:34: Auch durch eine ganz tolle Frau geführt.
00:43:36: Und auch da ist noch mal ein bisschen die Öffnung auch zu Musik,
00:43:39: Tanz,
00:43:40: Experimenteller.
00:43:41: Ist es manchmal auch etwas wagemutiger vielleicht.
00:43:45: Und auch ein bisschen schräger, schwieriger zu konsumieren.
00:43:49: Das gefällt mir sehr auch.
00:43:51: Und natürlich gehe ich auch gerne in Ausstellungen, mag ich auch.
00:43:54: Ich bedauere zu tief, dass ich nicht mehr so viel auf Konzerte gehe.
00:43:58: Auch da wahrscheinlich dieses schreckliche Alter.
00:44:05: Mirko?
00:44:06: Ich war kürzlich mit Freunden zum ersten Mal im neuen Molotov und war sehr angetan, muss ich sagen.
00:44:13: Von der Location her war ich sehr angetan.
00:44:15: Wir waren bei Flatlights und das war ein tolles Konzert.
00:44:19: Die Leute waren auffallend, nett und freundlich.
00:44:22: Das Personal war wirklich ganz, ganz wundervoll.
00:44:25: Ich gehe auch gerne in die Kunsthalle, in die Galerie der Gegenwart.
00:44:28: Immer wenn etwas ist, was neu ist, meine Frau und ich, wir sind da regelmäßig.
00:44:34: Und wir gehen natürlich ins Theater.
00:44:37: Übermorgen sind wir in Berlin im Theater.
00:44:39: Oder Dings.
00:44:40: Wo
00:44:41: meine Oscar Wilde Übersetzung
00:44:42: gespielt wird.
00:44:44: Am Berliner Ensemble.
00:44:46: Treibt es euch die anderen beiden für Kultur auch außerhalb nach Hamburg?
00:44:50: Also außerhalb von Hamburg?
00:44:52: Ja.
00:44:53: Ja.
00:44:53: Also Berlin zum Beispiel, finde ich, ist ja, das ist ja unglaublich inspirierend, was da alles.
00:44:58: Also man sollte sich nicht auf einen Ort beschränken.
00:45:01: John, du bleibst
00:45:03: im Karo-Fedisch.
00:45:03: Mir tatsächlich weniger.
00:45:04: Das war aber auch einfach mit dem zu tun, was ich tagtäglich mache.
00:45:07: Ich habe einfach ein Ladengeschäft, das dreihundert Tage im Jahr geöffnet ist.
00:45:10: Und ich bin wahrscheinlich viel weniger unterwegs als ihr.
00:45:13: Das ist einfach...
00:45:15: Meine Frau ist Französin.
00:45:16: Sie ist Übersetzerin.
00:45:17: In die andere Richtung, sie übersetzt deutsche Literatur ins Französische und will... Es gibt eine sehr engagierte und vielfältige französische Community in Hamburg.
00:45:29: Und das ist ein reger Austausch.
00:45:32: Nicht nur in Frankreich, wenn wir in Frankreich sind, sondern auch in Hamburg mit französischen Kulturmenschen.
00:45:38: Das sind natürlich jetzt die ganz großen Orte.
00:45:42: Letztes Jahr haben wir eine Reihe gegründet beim NDR im Fernsehen, die heißt das Dorfding.
00:45:47: Und das ist eigentlich ein bisschen komischer Titel, aber sehr einprägsam.
00:45:50: Und da sind wir aufs Land gefahren, und zwar zu so Kulturinitiativen, die auch den Zusammenhalt dort total fördern, weil jeder trägt irgendwas dazu bei.
00:46:00: Und das sind so viele, so... tolle Sachen.
00:46:03: Ich habe durch diese Reihe Ort und Menschen kennengelernt und Initiativen, die mich wirklich so beeindruckt haben und die viel mehr bewirken als vielleicht hier nur ein Konzert in Molotow oder so, sondern da bringt es eine ganze Region zusammen und hilft auch für so ein bisschen mehr Selbstbewusstsein und gesehen werden.
00:46:21: selber etwas entwickeln und es dann auch zu Ende bringen.
00:46:24: Das hat mich wirklich sehr beeindruckt.
00:46:26: So wie
00:46:26: die kulturelle Landpartie zum Beispiel im Wendland.
00:46:29: Absolut,
00:46:29: absolut.
00:46:30: Und das gibt es im ganzen Norden.
00:46:33: Filme sind ja verfilmte Bücher und niemand hat von euch gesagt, dass er ins Kino geht.
00:46:39: Was ist los mit euch?
00:46:40: Das stimmt, das ist aber Alltag im Grunde genauso.
00:46:43: Wir gehen schon zwei, drei Mal im Monat ins Kino, das schon.
00:46:49: Du, ja, bei dir auch so Alltag, dass du es vergessen hast?
00:46:54: Ich liebe zum Beispiel das Filmfest in Hamburg sehr.
00:46:57: Da sind ja dann auch tolle und besondere Filme.
00:47:00: Es gibt tatsächlich so Blockbusterfilme, die gucke ich vielleicht dann zu Hause später, wenn sie auch gestreamt werden.
00:47:06: Dafür würde ich jetzt nicht extra ins Kino gehen.
00:47:09: Einfach aus Zeitgründen auch.
00:47:11: Ja, schon.
00:47:13: Ich will jetzt auf alle Fälle den nächsten, die neue Maya-Hoffer-Filme holen.
00:47:17: Das habe ich mir feste vorgenommen.
00:47:19: Ich bin aber auch kein sehr großer Kinogänger, aber ich muss auch wirklich sagen, wenn man sechzig Stunden die Woche arbeitet ungefähr und dann noch Bücher lesen will, dann ist halt irgendwie mein, die Zeit ist begrenzt.
00:47:32: Jetzt haben wir über die unterschiedlichen Kulturbereiche gesprochen.
00:47:35: Seht ihr denn Unterschiede zum Literaturbetrieb?
00:47:39: Geht es da einem besser oder schlechter?
00:47:41: Ich meine, wir haben hier im Rahmen vom Kaltscher Club immer wieder über das Klubsterben gesprochen.
00:47:46: John, du hast Eingangs gesagt, du verkaufst immer noch so viele Bücher.
00:47:51: Guck dir auch mal neidisch vielleicht auf die Theater-Szene oder das Filmfest, wie auch immer.
00:47:59: Nö.
00:47:59: Also neidisch bin ich überhaupt nicht.
00:48:03: Nein.
00:48:03: Also ich glaube, in dem was wir machen, kann man, wenn man das gut macht und auch mit dem Standort, den wir hier in Hamburg haben, geht es uns gut, kann ich einfach so sagen.
00:48:13: Ich glaube, die Filmforsche hat es kraftwesentlich schwerer in Deutschland, in Europa und überhaupt.
00:48:20: Also da, glaube ich, sind viel dramatischere Veränderungen als jetzt auf unserer Buchhandelszeit, ich muss es wirklich so nennen, weil es ja nicht nur Literatur ist, also gibt auch, ne?
00:48:31: Sag ich gerne immer wieder Fotobücher, Kochbücher, Architekturbücher und so weiter, gehört alles dazu.
00:48:40: Und ich bin auch nicht neidisch aufs Theater überhaupt nicht.
00:48:43: Also ich finde, es ist ganz toll, was Sie machen.
00:48:45: Ich bin auch nicht so der Freund von, gibt ja auch Bestrebungen jetzt in der Literatur oder auch im Buchhandel oder im Verlagswesen, nach öffentlichen Geldern zu... Fragen oder zu sagen, es müsste mehr Unterstützung geben.
00:48:59: Ich finde das immer ein bisschen schwierig.
00:49:01: Also ich finde, wir sollten versuchen erstmal unsere Hausaufgaben zu machen und ich glaube, da kann man noch, wenn man das macht, glaube ich, kann man sehr, sehr gut klarkommen.
00:49:14: Zu den Hausaufgaben von etablierten Kräften wie euch, ihr habt ja immer wieder betont, wie alt ihr schon seid, ist ja auch immer wieder ein Blick auf den Nachwuchs zu werfen und den Nachwuchs zu fördern, Mirko.
00:49:26: Wen möchtest du uns denn ans Herz legen von den jungen Literaturkräften hier in
00:49:31: Hamburg?
00:49:31: zum Abschluss?
00:49:33: Ich weiß, es ist immer total schwierig, weil man den anderen gleichzeitig weh tut, aber es wäre ja trotzdem besser, ein, zwei Namen zu nennen, damit die sich wohlfühlen.
00:49:44: Es gibt einen jungen Mann, der seit Jahren Gedichte schreibt und inzwischen zwei Literaturmagazine gegründet hat, den Frontliteraten und NOX.
00:49:54: Das ist Dominic Gritter, ein junger Lyriker und Herausgeber.
00:49:58: Der fällt mir als Allererstes sofort ein.
00:50:00: Der ist inzwischen ausgebildeter Psychologe und schreibt aber immer noch Gedichte.
00:50:07: Und gibt seinen Lesartomagazin immer noch
00:50:09: heraus.
00:50:11: Julia?
00:50:13: Nefeli, über die wir heute schon gesprochen haben, deren Debüt ja gerade erschienen ist.
00:50:18: Nefeli Kavuras würde ich unbedingt den Menschen ans Herz legen.
00:50:22: Und Yasmin Schreiber hat gerade ein tolles Buch geschrieben, ist aber nicht ihr Debüt, aber man kann sie noch als junge Schriftstellerin bezeichnen.
00:50:30: Da geht es um ein Femizid, um häusliche Gewalt, also auch ein wirklich schwieriges Thema.
00:50:37: Und wenn wir schon über Nachwuchs sprechen, ich würde mir natürlich auch wünschen, dass mehr junge Menschen in die etablierten Kulturveranstaltungen kommen, also dass da auch mehr darum gekämpft wird, um Leute, die vielleicht
00:50:49: auch...
00:50:50: Das finde ich ist wirklich auch ein großes Problem.
00:50:52: Also dass der Nachwuchs kommen muss, dass die Gesellschaft der Zukunft und dass wir die nicht aus den Augen verlieren.
00:51:01: Das sind doch die Leser der Zukunft, die Leser und Leserinnen der Zukunft.
00:51:04: Und
00:51:04: wenn die Kinder nicht schon Leseförderung bekommen, dann haben wir die eh schon verloren.
00:51:08: Also da unbedingt dran bleiben.
00:51:11: Ja, aus berufendem Munde, John, wen hast du denn jetzt mindestens drei Namen oder Bücher, die
00:51:17: in den nächsten Wochen hatten?
00:51:19: Jetzt
00:51:20: hat ja Julia
00:51:21: schon genau die beiden, die ich auch nennen
00:51:23: würde.
00:51:24: Aber es ist tatsächlich so, dass ich auch mit meiner Frau Daniela, mit der ich die Buchhandlung zusammen mache, dass wir wirklich in den letzten Jahren öfters gesagt haben, ah, es fehlen uns so ein bisschen in Hamburg, tatsächlich gerade die Autorinnen, Alter, zwanzig bis dreißig Jahre.
00:51:42: Und da ist also wenig, was auch veröffentlicht wird.
00:51:45: Ich stecke da nicht genug drin, wo dran das liegt, weil ich bin mir sicher, dass es hier Menschen gibt in dieser Altersklasse, die streiben und vielleicht auch richtig gute Sachen streiben.
00:51:57: Also ich glaube nicht, dass es da nichts gibt.
00:51:59: Ich weiß nur nicht, wo es ist.
00:52:01: Und Nefeli ist jetzt tatsächlich endlich mal wieder eine, die heraussticht auf jeden Fall.
00:52:07: Also die würde ich sofort nennen.
00:52:08: Für den jungen Leuten der Umgang mit Literatur.
00:52:11: Also wie siehst du das bei euren Lesungen?
00:52:14: Sind da auch mal zwanzig Jährige, die sich das antun oder anhören?
00:52:19: Also ich war mal auf einer Veranstaltung mit ganz vielen Buchhändlerinnen und Verlegerinnen, wo das auch Thema war und die damalige Verleger sind von Hoffmann und Kampel.
00:52:30: Der Name jetzt leider entfallen ist, hat was ganz clues gesagt, weil das war auch so die Stimmung, ja wir verlieren ja die Jungen und so.
00:52:38: und dann gab es auch Statistiken und sie hat gesagt, hey Leute, überleg mal, wie das bei euch war.
00:52:42: Ihr habt bestimmt als Kinder gelesen, ihr habt als Jugendliche gelesen und dann wart ihr zwanzig bis Siebenundzwanzig vielleicht.
00:52:49: Was habt ihr denn da gemacht?
00:52:50: Macht man halt andere Sachen.
00:52:52: Also das ist eine andere Sache im Fokus.
00:52:53: Und ich glaube, es gibt ganz viele Menschen, die in diesem Alter einfach nicht so viel lesen.
00:53:00: Dementsprechend vielleicht auch nicht auf den entsprechenden Veranstaltungen sind, aber später wieder.
00:53:04: Oder sie fühlen sich von den Veranstaltungen nicht angesprochen, bei euch glaube ich schon eher, also bei euch sicherlich, aber zum Beispiel das Literaturhaus, da ist das Durchschnittsalter sehr gehoben und da finde ich es schade, also da müssen die kommen.
00:53:17: Umso wichtiger ist ja der Hamburger Ziegel, das Jahrbuch für Literatur in Hamburg, was von Jürgen Abel und Antje Flemming herausgegeben wird und da gibt es ja die Hamburger Literaturpreise.
00:53:29: werden verliehen immer im November, Anfang Dezember.
00:53:32: Und diese Veranstaltungen mit manchmal vierhundert Leuten, da kommen dann aber auch wirklich sehr, sehr junge
00:53:37: Menschen, ne?
00:53:38: Ja, also es gibt sie.
00:53:39: Sie müssen sich nur gesehen fühlen, glaub ich.
00:53:42: Und das zumindest am Literaturhaus wird sich da jetzt deutrum gekönnt.
00:53:46: Das denke ich auch.
00:53:47: Das denke ich auch.
00:53:48: Dann
00:53:49: denken wir alle das Gleiche und wissen auch, dass unsere Zeit abgelaufen ist.
00:53:54: Eine Stunde kaltscher Klapp.
00:53:56: Es war die vierzigste Ausgabe.
00:53:57: Ich darf mich... Recht herzlich bedanken bei HVV Switch, die das Ganze unterstützen beim Ernst-Deutsch-Theater, die uns hier die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben.
00:54:06: Und natürlich bei euch drei, liebe Julia, lieber Mirko, lieber John.
00:54:10: Herzlichen Dank.
00:54:12: Das war's für uns heute.
00:54:14: Demnächst gibt's wieder weiter mit weiteren Kulturabteilungen.
00:54:18: Das war ein Blick auf die Hamburger Literatur.
00:54:20: Herzlichen Dank und Ahoi.
00:54:22: Ahoi.
00:54:23: Das war die
00:54:24: Hochkultur auf Ahoi.
00:54:26: Der Kölscher
00:54:27: Klang.
00:54:28: Danke fürs Zuhören.
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